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Höhenkrankheit auf Reisen in Südamerika vermeiden (2026)

Höhenkrankheit auf Reisen in Südamerika vermeiden (2026)

Wenn ich nach einem internationalen Flug in Quito ankomme und anschließend in die Stadt fahre, merke ich die Höhe jedes Mal. Ich war nie ernsthaft höhenkrank, aber in den ersten Tagen bin ich kurzatmiger als sonst und schneller müde. Eine Treppe, die zu Hause kaum auffällt, erinnert mich plötzlich daran, dass Quito auf rund 2.850 Metern liegt. Für mich sind das keine Warnzeichen, sondern das Signal, das Tempo zu drosseln, viel Ruhe einzuplanen und meinem Körper Zeit zu geben.

Seit der Gründung von Solecu Tours im Jahr 2006 reise ich regelmäßig durch Ecuador und andere Länder Südamerikas. Dazu kommen die Erfahrungen vieler Gäste, deren Routen wir geplant und begleitet haben. Dabei habe ich gelernt, dass Höhenkrankheit kein reines Cusco-Thema ist. Der Titikakasee liegt mit etwa 3.812 Metern deutlich höher als Cusco. Auch der Salar de Uyuni befindet sich auf rund 3.650 Metern, und manche Ausflüge im bolivianischen Altiplano oder von San Pedro de Atacama führen auf mehr als 4.000 Meter. Entscheidend ist deshalb nicht nur das einzelne Ziel, sondern der gesamte Reiseverlauf: Wie schnell steigt man auf, auf welcher Höhe schläft man und wie viel Zeit bleibt zur Anpassung?

Quito wird häufig als zweithöchste Hauptstadt der Welt bezeichnet. Ganz eindeutig ist diese Rangfolge allerdings nicht, weil La Paz zwar höher liegt, aber Regierungssitz Boliviens ist, während Sucre die verfassungsmäßige Hauptstadt ist. Für Reisende zählt ohnehin etwas Praktischeres: Der Flughafen von Quito liegt bei Tababela etwas tiefer als die Stadt, doch viele Gäste schlafen bereits in der ersten Nacht auf ungefähr 2.850 Metern. Damit beginnt die Akklimatisierung direkt nach der Ankunft.

Was Höhenkrankheit bedeutet

Vista aérea de Cusco con ruinas incas, señalética y arquitectura colonial desde fortaleza.

Mit zunehmender Höhe sinkt der Luftdruck. Dadurch gelangt mit jedem Atemzug weniger Sauerstoff in den Körper. Ab einer Schlafhöhe von ungefähr 2.500 Metern kann eine akute Höhenkrankheit auftreten; möglich ist sie bei empfindlichen Menschen auch etwas darunter. Typische Beschwerden beginnen häufig einige Stunden nach dem Aufstieg oder in der ersten Nacht. Dazu gehören vor allem Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit, Appetitlosigkeit und schlechter Schlaf.

Kurzatmigkeit bei Belastung allein ist noch nicht automatisch eine Höhenkrankheit. Sie ist in Quito, Cusco oder am Titikakasee zunächst eine normale Reaktion auf die geringere Sauerstoffverfügbarkeit. Für die akute Höhenkrankheit ist ein neu aufgetretener Kopfschmerz zusammen mit weiteren Beschwerden besonders typisch. Fitness schützt übrigens nicht zuverlässig. Auch sportliche Menschen können betroffen sein, während Alter allein das Risiko nicht erhöht. Die beste Vorhersage liefert die eigene Reaktion bei früheren Reisen unter vergleichbaren Bedingungen.

In den ersten drei bis fünf Tagen steigert der Körper unter anderem die Atmung und verbessert dadurch die Sauerstoffversorgung. Entgegen einer verbreiteten Erklärung entstehen in den ersten 24 bis 48 Stunden nicht bereits genügend neue rote Blutkörperchen, um die schnelle Anpassung zu erklären. Diese längerfristigen Veränderungen brauchen mehr Zeit. Für Urlauber sind deshalb vor allem die ersten Tage und die Schlafhöhe entscheidend.

Peru langsam von der Küste in die Anden erleben

Bei einer Perureise lässt sich die Akklimatisierung sehr gut in die Route integrieren. Eine meiner bevorzugten Varianten beginnt in Lima auf Meereshöhe und führt über Paracas, Ica und Nasca nach Arequipa auf etwa 2.335 Metern. Wer dort einige Tage verbringt, gibt dem Körper eine erste Anpassungsphase, bevor es über den Colca-Canyon weiter in Richtung Altiplano geht. Auf der Strecke werden hohe Pässe überquert, doch für die Belastung ist besonders wichtig, wo man die Nacht verbringt.

Der Titikakasee ist der zweite wichtige Besuchermagnet in Peru. Puno und der See liegen auf ungefähr 3.812 Metern und damit rund 400 Meter höher als Cusco. Wer direkt aus Lima oder von einer anderen niedrigen Region dorthin fliegt, sollte die ersten Tage besonders ruhig gestalten. Eine Route über Arequipa und den Colca-Canyon ist meist angenehmer, weil die Höhe stufenweise zunimmt. Danach kann die Reise nach Cusco auf rund 3.400 Metern weitergehen.

Wird Cusco direkt angeflogen und reagiert ein Gast stärker als erwartet, ist das Heilige Tal eine sehr gute Ausweichmöglichkeit. Orte wie Urubamba oder Ollantaytambo liegen unter 3.000 Metern. Schon ein Abstieg von einigen Hundert Metern kann spürbar entlasten. Deshalb planen wir bei Bedarf zuerst Nächte im Heiligen Tal und Cusco erst anschließend. Machu Picchu liegt mit etwa 2.430 Metern ebenfalls deutlich niedriger als Cusco.

Quito und die Höhen in Ecuador

Eine Reise in Ecuador ist anders aufgebaut als eine klassische Hochlandroute durch Peru oder Bolivien. Viele Rundreisen beginnen in Quito, doch die meisten Übernachtungsorte unserer Programme liegen unter 3.000 Metern. Die heißen Quellen von Papallacta bilden mit ungefähr 3.300 Metern eine beliebte Ausnahme. Wer direkt nach der Ankunft dort übernachtet, sollte den ersten Tag ruhig angehen und auf Beschwerden achten.

Ausflüge führen in Ecuador kurzfristig deutlich höher. Am Cotopaxi, Chimborazo oder in anderen Andenregionen können Reisende Höhen von 4.500 bis knapp 5.000 Metern erreichen. Der wichtige Unterschied zu einer Übernachtung auf dieser Höhe ist die begrenzte Aufenthaltsdauer: Nach dem Ausflug geht es wieder hinunter. Tagesausflüge mit Rückkehr auf eine niedrigere Schlafhöhe belasten den Körper in der Regel weniger als eine Nacht in großer Höhe. Trotzdem sollte niemand bei Kopfschmerzen, Übelkeit oder deutlicher Schwäche weiter aufsteigen.

Uyuni und Atacama verlangen eine eigene Planung

Der Salar de Uyuni wirkt vollkommen eben, liegt aber bereits auf rund 3.650 Metern. Viele mehrtägige Touren führen von dort durch das noch höher gelegene bolivianische Altiplano. Lagunen, Geysire und Pässe können über 4.000 Meter liegen. In dieser abgelegenen Region lässt sich nicht immer schnell medizinische Hilfe erreichen. Eine gute Akklimatisierung vor Beginn der Tour und ein erfahrener Veranstalter sind deshalb besonders wichtig.

San Pedro de Atacama selbst liegt dagegen nur bei ungefähr 2.400 Metern. Das kann ein falsches Gefühl von Sicherheit vermitteln, denn beliebte Ausflüge führen deutlich höher. Die Geysire von El Tatio liegen auf etwa 4.300 Metern, und Touren zu Hochlandlagunen erreichen ähnliche Höhen. Wer Uyuni und Atacama kombiniert, sollte deshalb nicht nur auf den Übernachtungsort schauen, sondern jede Tagesetappe und deren maximale Höhe prüfen.

Vista panorámica de Cusco con iglesia colonial blanca, arquitectura inca y ciudad andina.

Was mir persönlich in den ersten Tagen hilft

Ich gehe die ersten Tage bewusst langsam an. Ich trinke regelmäßig Wasser, ruhe mich aus und esse eher leichte Mahlzeiten. Ausreichend zu trinken ist wichtig, weil trockene Höhenluft und lange Reisetage eine Dehydrierung begünstigen. Mehrere Liter zusätzlich zu trinken verhindert eine Höhenkrankheit jedoch nicht und kann sogar problematisch werden. Besser ist es, nach Durst zu trinken und auf eine normale Flüssigkeitszufuhr zu achten.

Ich trinke gern Coca-Tee oder lutsche Coca-Bonbons. Mir persönlich tut das gut, und viele Einheimische nutzen Coca traditionell bei Beschwerden in der Höhe. Die wissenschaftliche Evidenz für eine zuverlässige Vorbeugung oder Behandlung der Höhenkrankheit ist jedoch begrenzt. Coca ersetzt daher weder Akklimatisierung noch einen notwendigen Abstieg. Coca-Produkte sollten außerdem nicht nach Europa eingeführt werden.

In den ersten 48 Stunden vermeide ich Alkohol und große körperliche Anstrengung. Auf Kaffee müssen regelmäßige Kaffeetrinker nicht grundsätzlich verzichten: Ein plötzlicher Koffeinentzug kann selbst Kopfschmerzen auslösen und die Einschätzung erschweren, woher diese kommen. Ein kleiner Spaziergang ist in Ordnung, solange man sich wohlfühlt. Ein anstrengendes Trekking oder der schnelle Aufstieg zu einem Aussichtspunkt sollte in den ersten Tagen vermieden werden.

Medikamente nur nach ärztlicher Beratung

Ob ein Medikament geeignet ist und wie es eingenommen werden soll, gehört in die Hände eines reisemedizinisch erfahrenen Arztes. Das gilt besonders bei Vorerkrankungen, in der Schwangerschaft oder bei mehreren Medikamenten. Ein Blogartikel kann keine individuelle Beratung ersetzen. Auch Schmerzmittel können Beschwerden lindern, beseitigen aber nicht die Ursache. Wer Symptome mit Tabletten überdeckt und trotzdem weiter aufsteigt, erhöht das Risiko.

Wann Abstieg und medizinische Hilfe nötig sind

Bei leichten Beschwerden gilt eine einfache Regel: nicht weiter hinaufsteigen, körperliche Belastung reduzieren und beobachten, ob die Symptome auf gleicher Höhe abklingen. Werden sie trotz Ruhe stärker, ist der Abstieg die wichtigste Maßnahme. Schon 300 bis 500 Höhenmeter können einen deutlichen Unterschied machen. In Cusco kann das Heilige Tal eine praktische Option sein; in Ecuador kann man von einem hoch gelegenen Ausflugsziel grundsätzlich schnell in tiefere Regionen zurückkehren.

Menschen mit Herz- oder Lungenerkrankungen, schlecht eingestelltem Asthma, Schlafapnoe oder anderen relevanten Vorerkrankungen sollten die geplanten Höhen vor der Reise ärztlich besprechen. Das gilt ebenso nach einem kürzlich erlittenen Herzinfarkt oder Schlaganfall sowie bei einer Risikoschwangerschaft.

Eine gute Route ist die beste Vorsorge

Aus meiner Erfahrung entsteht eine angenehme Reise in größere Höhen durch einen klugen Rhythmus. Wir betrachten nicht nur die maximale Höhe eines Ausflugs, sondern vor allem die Schlafhöhen, die Abfolge der Orte, mögliche Ruhetage und erreichbare Alternativen. Niemand kann garantieren, dass überhaupt keine Beschwerden auftreten. Eine sorgfältige Route verringert jedoch das Risiko, und sie schafft Handlungsspielraum, falls der Körper mehr Zeit braucht.

Ich selbst akzeptiere meine Kurzatmigkeit und Müdigkeit an den ersten Tagen als Aufforderung, langsamer zu werden. Viele unserer Gäste erleben es ähnlich. Wer sich gut akklimatisiert, muss auf Cusco, den Titikakasee, Quito, Uyuni oder die Atacama nicht verzichten. Oft passt diese bewusst langsamere Reiseweise sogar besonders gut zu den Anden: Man schaut genauer hin, bleibt länger an einem Ort und erlebt mehr als bei einer Rundreise mit hastig abgehakten Tageszielen.

Wenn Sie eine individuelle Südamerikareise planen, berücksichtigen wir bei Solecu Tours Ihre Vorerfahrungen, Ihre Kondition und mögliche gesundheitliche Einschränkungen bereits bei der Routenplanung. Seit 2006 begleiten wir deutschsprachige Reisende durch Lateinamerika und achten darauf, dass Höhe, Erlebnisse und Erholung sinnvoll zusammenspielen. Wir beraten Sie gern!

Quellen und medizinischer Hinweis

Medizinische Grundlage: CDC Yellow Book 2026, Kapitel High-Altitude Travel and Altitude Illness, sowie NHS, Altitude sickness. Die Höhenangaben sind gerundet. Dieser Beitrag dient der allgemeinen Reiseinformation und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder individuelle reisemedizinische Beratung.

 Aufbrechen. Entdecken. Staunen.

DIE AUTOREN:

Bild von Dorit Hansen

Dorit Hansen

Dorit reist seit 2004 regelmäßig nach Lateinamerika und hat auch schon mehrere Jahre in Ecuador gelebt. Mehr zu Dorit...

Bild von Xavier Arias León

Xavier Arias León

Xavier ist Mitbegründer von Solecu Tours und kennt sein Heimatland Ecuador durch seine langjährige Tätigkeit im Tourismus wie seine Westentasche. Mehr zu Xavier...

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