Ein Ort, an dem Geschichte und Legende sich die Hand geben
Mitten im historischen Zentrum, umgeben von Kopfsteinpflaster und jahrhundertealten Fassaden, erhebt sich eines der beeindruckendsten Architekturensembles Lateinamerikas: die Iglesia de San Francisco de Quito. Diese Kolonnialperle verblüfft nicht nur durch ihre monumentale Größe und künstlerische Fülle, sondern auch durch die fesselnden Legenden, die sie umgeben.
Besonders die Legende von Cantuña ist über Generationen hinweg lebendig geblieben und begeistert gleichermaßen Besucher und Einheimische. Schon jetzt sei verraten: Es geht um einen Pakt mit dem Teufel, eine nicht vollendete Bauaufgabe und die Gewitztheit eines indigenen Meisters aus Quito. Ein Besuch der Kirche bietet daher eine Reise in eine Welt, in der sich Geschichte, Mythos und Volkskultur vermischen.
Wenn Sie sich fragen, was man in Quito unbedingt sehen sollte, ist San Francisco eine klare Antwort. Von der beeindruckenden Plaza bis zu den goldenen Altären und geheimnisvollen Erzählungen – jeder Winkel offenbart ein gut gehütetes Geheimnis des kulturellen Quito.
Ein Blick auf die Geschichte der Iglesia de San Francisco
Der Bau dieses Ensembles begann kurz nach der spanischen Gründung Quitos, etwa 1535, und erstreckte sich über mehr als 150 Jahre. Es war die erste große religiöse Anlage der Stadt und wurde zum spirituellen, kulturellen und pädagogischen Zentrum der Kolonialzeit.
San Francisco ist weit mehr als eine Kirche: Es ist ein Komplex aus Kirche, Konvent, Museum und Seitenkapellen. Trotz zahlloser Erdbeben, Renovierungen und Veränderungen hat es seine sakrale Aura und monumentale Erscheinung bewahrt.
Koloniale Architektur, die sprachlos macht
In San Francisco erreicht die koloniale Baukunst Quitos einen ihrer Höhepunkte. Der Stil – Mestizo-Barock – ist eine beeindruckende Symbiose europäischer Technik und indigener Kunstfertigkeit.
Nach einer eher schlichten, aber eleganten Fassade erwartet Besucher im Inneren ein Überschuss an Gold, kunstvollen Schnitzereien und prächtigen Altären. Besonders hervorzuheben sind:
- Der komplett vergoldete Hochaltar, ein Meisterwerk des Barock im Quito-Stil.
- Die detailreich geschnitzte Kanzel mit religiöser Symbolik.
- Gemälde der Escuela Quiteña, einer der bedeutendsten Kunstbewegungen des kolonialen Amerikas.
Die Legende von Cantuña: Wenn der Teufel verliert
Unter all den Geschichten, die im Zusammenhang mit dieser Kirche erzählt werden, ist die Legende von Cantuña mit Abstand die berühmteste. Der Legende nach war Cantuña ein angesehener indigener Baumeister, der den Auftrag erhielt, den Atrium von San Francisco unter unmöglichen Bedingungen zu errichten – und das in Rekordzeit.
Verzweifelt, wie er war, schloss er einen Pakt mit dem Teufel: Dämonen sollten das Werk über Nacht vollenden – im Austausch für seine Seele. Und tatsächlich: Schattenkreaturen bewegten sich eilig, Stein um Stein. Doch der clevere Cantuña hatte eine List im Ärmel: Er versteckte vorsätzlich einen Stein. Als der Teufel auftauchte, um seine Zahlung einzufordern, wies Cantuña darauf hin, dass der Bau nicht vollendet sei – ein Vertrag sei somit nicht erfüllt. Wutentbrannt verschwand der Teufel in Flammen und Zorn.
Diese Erzählung verleiht der Kirche nicht nur einen Hauch Mystik, sondern gilt auch als Symbol für die Widerstandskraft indigener Weisheit gegenüber kolonialer Macht. Besucher können diese Geschichte am Originalschauplatz hören – das Atrium steht noch immer, als ewiges Denkmal an Cantuñas Genialität.
So besuchen Sie die Iglesia de San Francisco
Lage: Plaza de San Francisco, zwischen Bolívar- und Cuenca-Straße, historisches Stadtzentrum
Öffnungszeiten: Montag bis Samstag, 9:00 – 17:30 Uhr
Eintritt: Kirche kostenlos; Museum und Krypten kostenpflichtig
Empfehlungen für Ihren Besuch:
- Nehmen Sie sich Zeit – der Komplex ist reich und weitläufig.
- Tragen Sie bequeme Schuhe – die Umgebung ist historisch und teils uneben.
- Eine geführte Tour lohnt sich besonders – Geschichten erwecken erst so richtig zum Leben.
- Die Fotomotive sind atemberaubend, besonders bei Sonnenuntergang.
San Francisco und Quito als kulturhistorisches Zentrum
Die Iglesia de San Francisco ist ein essenzieller Teil des UNESCO-Weltkulturerbes – Zentrum Quitos. Von hier aus lassen sich bestens weitere Kunstjuwelen wie die Iglesia de La Compañía, die Catedral Metropolitana oder die Basílica del Voto Nacional erkunden.
Jeder Winkel der Altstadt bietet eine Chance, in die Seele Quitos einzutauchen – ein Ort, an dem Geschichte und Gegenwart miteinander verschmelzen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist die Kirche täglich geöffnet?
Ja, in der Regel von Montag bis Samstag. An Feiertagen lohnt sich eine vorherige Überprüfung.
Brauche ich einen Guide?
Nicht zwingend – aber sehr empfehlenswert. Nur so entfalten sich alle Schichten der Geschichte.
Findet regelmäßig eine Messe statt?
Ja, die Kirche ist aktiv und feiert regelmäßig Gottesdienste.
Kann ich die Krypten besichtigen?
Ja, sie sind Teil des Museumsrundgangs – ein besonders faszinierender Abschnitt.
Gibt es noch andere Legenden?
Neben der Cantuña-Legende gibt es Erzählungen über unterirdische Tunnel, Erscheinungen und Wunder – besonders spannend für Fans des Mystischen.
Quito im Herzen erleben
Die Iglesia de San Francisco de Quito ist nicht nur ein Bauwerk – sie ist ein Raum zum Fühlen, zum Nachdenken und Staunen. Zwischen Kunst, Legenden und Spiritualität öffnet sich hier ein Fenster zur menschlichen und kulturellen Tiefe Ecuadors.
Möchten Sie die Legende von Cantuña direkt vor Ort lauschen?
Kontaktieren Sie uns für eine persönliche Tour durch das historische Quito. Wir freuen uns darauf, Sie auf dieser unvergesslichen Reise zu begleiten.