Neues Meeresschutzgebiet im Ostpazifik

Es gibt gute Neuigkeiten für den Pazifik: Im Rahmen des UNO-Klimagipfels wurde von Ecuador, Kolumbien, Panama und Costa Rica die Einrichtung eines der größten und artenreichsten Meeresschutzgebiete der Welt angekündigt.

Damit werden schon vorhandene Schutzzonen der einzelnen Länder deutlich erweitert und miteinander verbunden. Die geschützte Fläche soll mehr als 500.000 Quadratkilometer betragen. Es ist ein wichtiger und von Organisationen wie dem Turtle Island Restoration Network lange geforderter Schritt in Richtung Verbesserung des Artenschutzes. Denn der „Eastern Tropical Marine Corridor“ (CMAR), so der Name des Projekts, stellt für zum Teil gefährdete Meerestierarten einen „safe swimway“, also einen geschützten Unterwasser-Korridor zwischen Ecuador und Costa Rica dar.

Unterwasserwelt vor Galapagos

Eindämmung von ausbeuterischer und illegaler Fischerei

Seit 2017 haben immer wieder chinesische Fischerschiffe die Sommermonate in Gewässern um die Galapagos Inseln herum befahren um kommerziellen Fischfang zu betreiben. Im letzten Jahr war die Flotte allerdings deutlich größer – mehr als 300 Schiffe – was eine starke Bedrohung für verschiedene Arten darstellt. Eine besondere Gefahr besteht für die Arten, die sich aus der Schutzzone der Galapagos Inseln heraus in Richtung offenes Meer bewegen und damit den Fischern direkt entgegen schwimmen. Problematisch ist dabei die Langleinenfischerei, bei der neben Thunfischen auch Haie, Schildkröten, Seelöwen und Delfine mit gefangen werden. Die chinesische Botschaft in Quito versichert zwar eine „Null-Toleranz“-Haltung gegenüber der illegalen Fischerei, aber das Problem ist, dass einige Fischereiflotten sich an keinerlei Regulierungen halten und zum Teil sogar ihre Satellitenkommunikationssysteme ausgeschaltet haben.

Mit der Schaffung des neuen Meerschutzgebietes soll aber nicht nur ausländische Fischerei eingeschränkt werden. Ebenso geht es um die Kontrolle von illegalem, untererfasstem und unreguliertem Fischfang (IUU) durch lokale Gemeinden.

Rochen vor Unterwasserfelsen

Ausweitung nationaler Schutzzonen

Der ecuadorianische Präsident Guillermo Lasso gab Anfang November 2021 auf der Klimakonferenz in Glasgow bekannt, dass das Galapagos Meeresschutzgebiet mit seinen bisher 133.000 qkm um weitere 60.000 qkm erweitert werden soll. Die neue Fläche schließt den Cocos Ridge, einen Unterwasser Gebirgszug, mit ein und geht in Costa Ricas geschützte Meeresfläche über. Das neue Schutzgebiet in ecuadorianischen Gewässern soll in zwei Teile aufgeteilt werden: im Bereich entlang der Cocos Ridges soll jegliche Fischerei verboten sein. In den anderen 30.000 qkm, die nordwestlich an das bereits existierende Galapagos-Schutzgebiet angrenzen, soll nur Fischerei ohne Langleinen erlaubt sein.

Lasso erwartet keine Ablehnung oder Proteste seitens der mittelständischen und industriellen Fischereibetriebe, da er mit ihnen im Vorfeld der Klimakonferenz über mehrere Monate im Dialog stand.

Kolumbiens Präsident Iván Duque kündigte an, zu dem bestehenden Schutzgebiet von 120.000 qkm weitere 160.000 qkm hinzufügen zu wollen.

Panama hatte bereits im Juni 2021 im Rahmen der „30×30“-Initiative die Fläche seines „Cordillera de Coiba“-Meereschutzgebiet verfünffacht. Sie beträgt nun 98.230 qkm.

Die Vergrößerung der Schutzgebiete der einzelnen Länder ist natürlich bedeutsam für den Artenschutz. Weit wichtiger ist jedoch ihr Zusammenschluss, so der Britische Meeresbiologe Alex Hearn, der viele Jahre auf den Galapagos Inseln gearbeitet hat. Er beschreibt die Gewässer um die Galapagos, Malpelo, Cocos und Coiba Inseln als lebendes Labor für wissenschaftliche Forschung. Er hat festgestellt, dass die Populationen vieler migrierender Arten in diesem Jahrhundert deutlich zurück gegangen sind, darunter Meeresschildkröten, Rochen und Haie, insbesondere die kritisch bedrohten Hammerhaie.

Durch den mit dem Zusammenschluss der Schutzgebiete entstandenen Korridor kann die ungehinderte Migration der Arten wieder gewährleistet werden

Mit der Ausweisung des neuen Meeresschutzgebietes ist zwar ein wichtiger und richtiger Schritt für den Schutz eines der wertvollsten Ökosysteme der Welt getan worden. Aber verschiedene Umweltschutzorganisationen und Max Bello, Berater für Meerespolitik der NGO Mission Blue fordern weitere Maßnahmen. Er sagt „Mit dieser Vereinbarung festigt Lateinamerika erneut seine Führungsrolle im Meeresschutz, aber es ist noch mehr nötig. Wir hoffen, dass wir mindestens 30 % Schutz in allen [maritimen] Ländern erreichen können.“

Hammerhai im Meer

DIE AUTOREN:

Dorit Hansen

Dorit Hansen

Dorit reist seit 2004 regelmäßig nach Lateinamerika und hat auch schon mehrere Jahre in Ecuador gelebt. Mehr zu Dorit...

Xavier Arias León

Xavier Arias León

Xavier ist Mitbegründer von Solecu Tours und kennt sein Heimatland Ecuador durch seine langjährige Tätigkeit im Tourismus wie seine Westentasche. Mehr zu Xavier...

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