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Der unbekannte Norden von Esmeraldas – Eine sehenswerte Region

Der unbekannte Norden von Esmeraldas – Eine sehenswerte Region

Die ecuadorianische Provinz Esmeraldas ist bei Touristen hauptsächlich wegen ihrer Strand- und Badeorte wie Atacames, Mompiche oder Tonsupa südlich von der Stadt Esmeraldas bekannt. Die Orte sind gut zu erreichen, von Quito nach Atacames sind es z.B. nur etwa fünf bis sechs Stunden Fahrt.

Weitgehend unentdeckt ist hingegen der nördliche Teil der Provinz, was unter anderem auch an der Nähe zu Kolumbien liegt und dem damit verbundenen Ruf durch Drogenkonflikte gefährlich zu sein. Doch ist das wirklich so?

Ich hatte verschiedene Meinungen gehört, was die Gefährlichkeit angeht. Einheitlich wurde mir davon abgeraten, mich länger in der Stadt Esmeraldas aufzuhalten. Das hatte ich aber auch nicht vor. Vielmehr wollte ich die ländliche Gegend und die kleinen Orte kennenlernen. Als Unterkunft hatte ich mir die Quinta el Mamey herausgesucht.

Anreise zur Quinta el Mamey

Über Nacht nahm ich den Bus von Quito nach Esmeraldas und kam noch vor Sonnenaufgang dort an. Wenn man tagsüber reist, in einer Rundreise oder mit dem Mietwagen, lohnt es sich, Zwischenstopps bei der Mitad del Mundo und in Mindo einzuplanen.

Vom Busterminal von Esmeraldas bis zur Quinta el Mamey sind es etwa 40 Minuten Busfahrt entlang der Küste. Mit dem Auto dürften es etwa 20 – 30 Minuten sein.

Auf der Höhe des kleinen Ortes Peñas Blancas wies ein Schild den Eingang zur Quinta. Ich wurde von der Besitzerin, einer Schweizerin, die zusammen mit ihrem ecuadorianischen Mann die Unterkunft betreibt, sowie einigen Hunden freundlich in Empfang genommen.

Quinta El Mamey

Vegetarische Suppe in Palestina und Entspannung am Strand und im Pool

Nachdem ich mich häuslich eingerichtet und die hübsche Anlage ein wenig erkundet hatte, machte ich mich auf zu einem Strandspaziergang. Der durch vulkanische Mineralien dunkle Strand liegt hinter einigen Mangroven und war, da gerade Ebbe war, ziemlich breit.

Ich bin an sich niemand, der es lange an Stränden aushält oder gar stundenlang auf einem Handtuch liegt und nichts tut. Wer so etwas mag, für den ist dieser Strand freilich auch optimal, da man lange Zeit keiner Menschenseele begegnet. Aber auch für mich gab es viel zu entdecken – vom Meer geformtes Strandgut, Fischerboote und Mangroven, die, soweit das Auge reicht, den Strand in nördlicher und südlicher Richtung säumen. Krebse huschten vorbei und von Zeit zu Zeit ließ sich ein Meeresvogel auf dem Sand oder dem Gehölz nieder.

Strand bei der Quinta El Mamey im Norden von Esmeraldas

Anschließend fuhr ich kurz in den nächstgelegenen größeren Ort Palestina. Hier hat man die Möglichkeit Geld abzuheben und Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs einzukaufen. Zu meiner Freude fand ich außerdem ein Restaurant, in dem es zufälligerweise eine vegetarische Suppe gab.

Zurück in der Quinta el Mamey unterhielt ich mich mit den Besitzern und ließ es mir im Pool mit Hydromassage gut gehen. Die Quinta ist nicht nur eine Unterkunft, sondern gleichzeitig eine kleine Farm, wo verschiedene Nutz- und Kulturpflanzen ökologisch und nach Permakultur Grundsätzen angebaut werden. Die Produkte werden im Restaurant und für den Eigenbedarf verwendet und die Pflanzenvielfalt zieht viele nützliche Insekten und auch Kolibris und andere Vogelarten an. Außerdem haben die Besitzer der Quinta das Projekt Amigos Arbolito („Bäumchen-Freunde“) ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Mangrovenwälder der Küste zu schützen, wieder aufzuforsten und freie Flächen zu bewalden und allgemein die Nachhaltigkeit der Region zu fördern, auch, indem die lokale Bevölkerung mit eingebunden wird. Durch Spenden und Baumpatenschaften kann das Projekt unterstützt werden.

Abends ging ich noch einmal an den Strand, der durch die gestiegene Flut nur noch ein schmaler Streifen war, um mir den Sonnenuntergang anzuschauen. Es gab ein spektakuläres Farbspiel von orange bis dunkelviolett, das sich im ruhigen Meer spiegelte und von Wattewölkchen durchzogen wurde.

Archäologische Ausgrabungen in La Tolita Pampa de Oro

Am nächsten Tag hatte ich ursprünglich vorgehabt, weitere kleine Strandorte in nördlicher Richtung mit dem Regionalbus zu erkunden. Die Endstation des Busses in den ich stieg war La Tolita. Nachdem ich unterwegs ein wenig recherchiert hatte, beschloss ich spontan bis zur Endstation zu fahren und die Umgebung dort ein wenig zu erkunden. Wie auch im Rest der Provinz Esmeraldas ist die Bevölkerung hier afroecuadorianisch und ich fiel als Mitteleuropäerin hier nun besonders auf. So wurde ich zum Teil etwas neugierig aber immer freundlich und wohlwollend angeschaut und konnte das ein oder andere nette Gespräch führen, denn die Busfahrt dauerte ca. 1,5 Stunden. Ich fragte nach der Kriminalität und dem schlechten Ruf der Provinz und wieder wurde mir bestätigt, dass sich die Probleme und Konflikte in erster Linie in der Stadt abspielen. Auf dem Land und in den kleineren Orten ist das Leben noch vergleichsweise friedlich und ruhig.

Bei feuchtwarmer Mittagshitze kam der Bus schließlich in La Tola an. Der Ort liegt, umgeben von Mangrovenwäldern am Ufer des Flusses Santiago kurz vor dessen Mündung in den Pazifik. Vom Bootsanleger fahren verschiedene kleine Boote und Fähren die Flussarme entlang zu den Dörfern, die nur zu Wasser zu erreichen sind. Ich machte Bekanntschaft mit einem älteren Herrn, der Brote und anderes Gebäck in der Umgebung verkauft. Später erfuhr ich dann, dass er nicht nur Bäcker ist, sondern auch zeitweise als Lokalführer arbeitet und Möbel aus Mangrovenholz herstellt. Er empfahl mir, La Tolita Pampa de Oro, einen archäologisch bedeutsamen Ort auf der anderen Flussseite zu besuchen.

Zusammen mit einigen anderen nahm ich also das kleine Fährboot, das zum Glück überdacht war, denn die Sonne brannte heftig. Da gerade Niedrigwasser herrschte, fuhr das Boot einen Umweg über einen Seitenarm des Flusses. So hatte ich länger Gelegenheit, das von Mangroven und Kokospalmen gesäumte Flussufer zu bestaunen.

Kokopalmen und Mangroven am Ufer des Flusses Santiago

In La Tolita Pampa de Oro angekommen, besuchte ich ein winziges Museum mit Keramikfunden aus der Umgebung. Der Verantwortliche, ein wohl recht berühmter Ethnologe, hatte schon an Ausgrabungen in Peru und in anderen Teilen Ecuadors teilgenommen. Er erzählte mir die erstaunliche Geschichte von La Tolita, wo bis heute noch Goldschmuck und Keramik gefunden wird. Die Funde lassen sich auf ca. 500 v.Chr. bis ca. 500 n.Chr. zur Zeit der La Tola–Kultur zurückdatieren. Hier fand man auch die berühmte Sol de Oro („Goldsonne“) mit ihren 48 Strahlen in Form von Schlangen. Dieses Artefakt ist heute das Symbol der Zentralbank von Ecuador und Teil des Kulturguts des Landes.

kleines Museum in La Tolita Pampa de Oros
Sol de Oro Replik in La Tolita Pampa de Oro

„La Tola“ heißt so viel wie Hügel oder Erhebung. Zum einen dienten sie zur Erhöhung der Behausungen um sie vor der Brandung des Flusses zu schützen und andererseits waren es Grabhügel. Die Tolas sind heute größtenteils mit Gras bewachsen, aber bei näherem Hinsehen entdeckt man immer noch eine Vielzahl von Keramikstücken, Teilen von Figuren und Knochenresten – eine archäologische Schatzgrube ohne Absperrung oder Wachen. Auch am Flussufer sind noch viele Keramikteile zu finden.

Keramikfunde bei Tolita Pampa de Oro

Es war ein überraschender und sehr interessanter Ausflug. Ich nahm ein kleines Boot zurück nach La Tola. Bei Flut und mit Vollgas wurden wir ordentlich nassgespritzt, aber da es inzwischen regnete – dieses Boot hatte kein Dach – machte das auch keinen Unterschied mehr, es war vielmehr eine willkommene Abkühlung.

kleine Boote auf dem Fluss Santiago

Auf dem Rückweg zur Quinta el Mamey legte ich noch einen kleinen Zwischenstopp am Badeort Las Peñas ein. Der Ort war nett mit einem langen Strand und vielen, vielen Restaurants aber begeisterte mich nicht allzu sehr. La Tola und La Tolita Pampa de Oro waren deutlich interessanter für mich gewesen. Nach einem langen Tag voller spannender Eindrücke kam ich schließlich wieder in der Unterkunft an und nahm am nächsten Morgen den Bus zurück nach Quito.

Was man bei einem Besuch im Norden von Esmeraldas mitnehmen und beachten sollte

Das Klima an der Küste von Esmeraldas kann, je nach Jahreszeit feucht-warm bis heiß sein, deshalb sollte man auf jeden Fall leichte Bekleidung und ausreichend Sonnenschutz mitnehmen. Auch ein (Hand)tuch um sich abzutrocknen kann nicht schaden. Für Busse oder auch manche Geschäfte ist eine Strickjacke oder Pullover zu empfehlen, da die Klimaanlagen zum Teil recht kühl eingestellt sind.

Für Regenschauer, die zum Teil recht spontan aufkommen können, können Sie vorsichtshalber einen Schirm oder dünnes (!) Regencape dabeihaben – oder sie stellen sich einfach unter und warten, bis er vorbeizieht.

Im Freien sollte man immer Sonnenschutz auftragen und eine Kopfbedeckung tragen, denn auch bei bewölktem Himmel verbrennt man sich als hellhäutiger Mitteleuropäer recht leicht.

Mückenschutz ist auf jeden Fall zu empfehlen, wenn man abends draußen sitzt oder wenn man sich in der Nähe der Mangroven aufhält.

Es ist ratsam immer etwas Bargeld dabei zu haben, auch Kleingeld, da Wechselgeld oft ein Problem ist und man in kleinen Orten nur selten mit Karte bezahlen kann. Geldautomaten gibt es nur in mittleren oder größeren Orten.

Ansonsten gilt, was auch im Rest des Landes gilt: Preise (z.B. für Taxifahrten) vergleichen bzw. schon im Vorfeld in Erfahrung bringen, aufmerksam aber nicht ängstlich sein, sich informieren aber nicht durch Gerüchte die Freude am Reisen verderben lassen, denn der Norden von Esmeraldas ist absolut sehenswert.

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DIE AUTOREN:

Dorit Hansen

Dorit Hansen

Dorit reist seit 2004 regelmäßig nach Lateinamerika und hat auch schon mehrere Jahre in Ecuador gelebt. Mehr zu Dorit...

Xavier Arias León

Xavier Arias León

Xavier ist Mitbegründer von Solecu Tours und kennt sein Heimatland Ecuador durch seine langjährige Tätigkeit im Tourismus wie seine Westentasche. Mehr zu Xavier...

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