Avocados in Ecuador – Ein Besuch der Hacienda Verde

Anfahrt zur Hacienda Verde

Anfang April unternahm das Büroteam von Quito aus einen Ausflug zur Hacienda Verde in der Nähe von Guayllabamba. 

Wir fuhren früh los Richtung Otavalo und bogen nach der Brücke über den Fluss Pisque links ab, dem Weg zum Schutzgebiet Park Jerusalem folgend. Die Einfahrt zur Hacienda befindet sich ca 10 Minuten Fahrzeit nach der Abzweigung zum Park Jerusalem. Die Umgebung, durch die wir fuhren, ist gekennzeichnet durch typische Trockenwaldvegetation mit Agaven, Opuntien und verschiedenen dornigen Sträuchern.

Schließlich erreichten wir die Einfahrt, wo uns Lucia, die Besitzerin, sowie sechs aufgeregte, aber freundliche Hunde in Empfang nahmen. Zunächst führte sie uns durch das Avocado-Museum, eine der Hauptattraktionen der Hacienda. 

Avocado-Museum der Hacienfda Verde

Die Wunderfrucht Avocado

Es war interessant, die Einzelheiten über die Herkunft (Mexiko), den Verbreitungsweg und die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten der Pflanze zu erfahren. Die Avocado ist eine wahre Wunderpflanze: sie ist nicht nur reich an ungesättigten Fettsäuren und eine gute Quelle von Vitamin K, Folsäure und Kalium. Das Fruchtfleisch und die daraus gewonnenen Shampoos und Cremes stärken das Haarwachstum und sollen Faltenbildung vorbeugen. Das Holz des Avocado-Baums ist gut geeignet zur Konstruktion von Möbeln und die Rinde soll bei Zahnschmerzen helfen und desinfizierend wirken. Tees und heiße Bäder aus den Blättern helfen wohl gegen Epilepsie, Erkältungen, Tuberkulose und Durchfall. Der Saft aus den Kernen ist ein natürliches Färbemittel. 

In dem kleinen Ausstellungsraum werden verschiedene Produkte wie Avocadoöl oder Hautcremes zum Verkauf angeboten. 

Eine Oase mitten im Trockenwald

Wir verließen das Museum und Lucia führte uns zunächst durch einen Teil der Hacienda mit verschiedensten Obstbäumen sowie Kaffeepflanzen. Seit über 15 Jahren betreiben sie und ihr Mann Fabian hier Agroforstwirtschaft. Die Artenvielfalt ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass man sich eigentlich mitten in einer Trockenwaldregion befindet. 

Eine der Avocado-Arten der Hacienda Verde

Es wachsen auch Arten, die man eher in küstennahen Gebieten findet, wie Chirimoya und Bananen. Weiterhin konnten wir Anden Papaya, verschiedene Zitrusbäume, Chayote und viele Avocadounterarten, darunter sowohl einheimische als auch eingeführte, bestaunen. Zwischendrin wurde immer wieder die typische Trockenwaldvegetation sichtbar, z.b. Aloe vera Pflanzen und Agaven mit ihren beeindruckenden meterhohen Blütenständen. Lucia ist promovierte Ethnobotanikerin und konnte uns viele, zum Teil erstaunliche Einzelheiten zu den verschiedenen Pflanzen und ihren Nutzungsmöglichkeiten erzählen.

Aloe Pflanzen auf der Hacienda Verde

Fabian erwartete uns an einem Ort, wo sich die größte Agave befand, die ich je gesehen hatte. 

Fabian erklärte und zeigte uns, wie er Kompost und natürlichen Dünger herstellt. Durch seine langjährige Erfahrung als Naturguide waren seine Erklärungen sehr anschaulich und interessant. Neben dem Gebäude wachsen einige Baumwollpflanzen, die gerade blühten und uns sehr beeindruckten. 

Die Tour ging weiter über das riesige Anwesen, durch Avocadoplantagen, vorbei an weiteren Zitrusbäumen bis wir schließlich zu Fabians Bienenzucht gelangten. Die Bienen sind sehr wichtig für die Bestäubung der Obstbäume. 

Bienenzucht in der Hacienda Verde

Nach einer Weile kamen wir zu einem recht mystisch wirkenden Teil des Waldes, denn hier waren die Bäume mit hellem Moos behangen und teils mit Bromelien bedeckt. Dahinter befand sich der Aussichtspunkt über das Tal des Guayllabamba Flusses. Die Sicht war beeindruckend.

Moose und Bromelien auf Bäumen in der Hacienda Verde

Obstverkostung auf dem Äquator

Wir liefen einige Minuten weiter und gelangten zu einem kleinen Monument, dass die Äquatorlinie markiert. Der Ort ist sowohl energetisch als auch kulturhistorisch von Bedeutung.

Äquator-Markierung in der Hacienda Verde

Für uns war er in diesem Moment besonders interessant, da Lucia bereits mit einem Obstkorb auf uns wartete. Wir hatten Gelegenheit verschiedene Zitrusfrüche, sowie Baumtomate, Pepino, Chirimoya und Guaven zu probieren, frisch geerntet, sonnengereift und frei von Chemie. Wir waren alle begeistert und setzten mit neuer Energie den Weg fort.

Plantagen, Primär- und Sekundärwald

Die folgende kleine Wanderung führte durch sehr abwechslungsreiche Vegetation. Zunächst kamen wir durch einen Bereich, in dem hauptsächlich Kakteen wuchsen, und zwar Opuntien, die wir bisher eher von Galapagos kannten. Diese beherbergen interessante Bewohner: die Cochinille-Läuse. Aus den Weibchen dieser Insekten wurde früher der rote Farbstoff Karmin gewonnen, inzwischen wird er allerdings industriell hergestellt. Fabian, Dayana und Lorena probierten die Lippenstift-Tauglichkeit der Farbe aus – es funktionierte.

Cochinille Läuse auf Opuntien in der Hacienda Verde

Wir liefen weiter, vorbei an Zitrusplantagen und durch relativ dichten Wald, der wohltuenden Schatten spendete. Später kamen wir durch einen weiteren spannenden Teil, der, wie uns Fabian erklärte, hauptsächlich aus Primärwald bestand und in dem viele Felsen und Steine verstreut lagen, vermutlich das Ergebnis vulkanischer Aktivität vor vielen Jahren in der Gegend.

Plantage der Hacienda Verde

Avocado-Verkostung und mehr - der krönende Abschluss

Nachdem wir etwa zwei Stunden gewandert waren, erreichten wir den Bereich des Haupthauses. An einer künstlichen, von Bäumen umgebenen Lagune, war für uns bereits ein Tisch reich gedeckt. Mit Blick aufs Wasser probierten wir verschiedene Avocadoarten zusammen mit Chochos (Anden-Lupine), Poroton – einer auf Bäumen wachsenden Riesenbohne, hausgemachtem ají, fermentierter Chayote und gerösteten Kernen des Sambo (Feigenblattkürbis). Für den Durst gab es Zitronengras-Limonade sowie zwei Arten von fermentierten Agaven-Getränken, eines alkoholfrei, das andere mit ein wenig Alkohol.

Wir hatten ursprünglich vorgehabt, nach dem Ausflug noch mittagessen zu gehen – das war nach diesem überraschenden Festmahl definitiv nicht mehr nötig. Satt und zufrieden traten wir den Heimweg an.

künstliche Lagune der Hacienda Verde

Unsere persönlichen Highlights

Ohne Zweifel hat uns allen der Ausflug sehr gefallen. Jeder hatte seine persönlichen Highlights, die wir hier zusammengetragen haben:

Diego:

Mein persönliches Highlight beim Besuch der Hacienda Verde war das Kennenlernen neuer Obst- und Gemüsesorten wie Poroton und Guarango. Aber das Beste war für mich natürlich, sie an der künstlichen Lagune zu probieren, zusammen mit anderen Köstlichkeiten und begleitet von Chochos.

Die Herstellung des „Biodünger“ war auch sehr interessant. In der Tat gibt es an diesem Ort viele neue Erkenntnisse zu gewinnen. Mit einem Wort: Fantastischer und grandioser Tag in der Natur.

Dayana:

Meiner Meinung nach ist die Hacienda Verde ein Wunder: Inmitten eines extrem trockenen Ortes wird eine große Vielfalt an Früchten angebaut, die auf dem Markt nicht mehr zu finden sind. Das erste Mal verschiedene Arten von Avocados, Zitronen, Hülsenfrüchten sowie Agaven-Getränke zu probieren, war ein großes Vergnügen. Eine Besonderheit der Hacienda ist die Fruchtfolge, um einen gesünderen Boden und eine bessere Unkrautbekämpfung ohne Herbizide und Chemikalien zu erreichen. Die Besitzer der Hacienda produzieren ihren eigenen Dünger mit agrarökologischen Praktiken, was zu besserer Wirtschaftlichkeit und auch zum Umweltschutz beiträgt – ein Faktor, der von den Besuchern sehr geschätzt wird.

Für mich ist dies die Entdeckung einer neuen Attraktion im Bereich des Agrotourismus. Unsere Touristen werden die Möglichkeit haben, einen Ort ganz in der Nähe von Quito kennenzulernen, an dem umweltverträgliche Landwirtschaft praktiziert wird, die den Respekt für das natürliche und kulturelle Erbe fördert, die Wertschätzung von Praktiken, Bräuchen und traditionellem Wissen auf dem Lande anregt und eine neue nachhaltige Vision der landwirtschaftlichen Kultur vorschlägt, deren Stellenwert wieder steigen soll.

Lorena:

Was mir an dem Besuch auf der Hacienda Verde am besten gefiel, war die Tatsache, dass in diesem trockenen Klima eine Vielzahl von Früchten und Gemüsesorten angebaut werden, und dass ich im Museum, das sich in der Nähe des Hauptweges befindet, etwas über die Geschichte und die Verwendung der Avocado erfahren konnte. Außerdem fand ich es spannend, neue Obst- und Gemüsesorten kennenzulernen, wie den Poroton, der ein Baum ist und dessen Früchte beim Kochen wie Bohnen aussehen, die Cidra und die Chayote.

Für mich war das Highlight, diese köstlichen Feldfrüchte vor einer künstlichen Lagune zu essen, es war einfach wunderbar.

Maria:

Neben der Verkostung der köstlichen Früchte, Avocadosorten und Agavendrinks gefiel mir vor allem das Moos, das an den Bäumen hing. Nachdem wir durch verschiedene Teile des Geländes gelaufen waren, erreichten wir einen Aussichtspunkt, der von Bäumen umgeben war, die über und über mit dem fast weißen und sehr weich aussehenden Moos bedeckt waren. Es war ein mystisches Erlebnis und ich erwartete fast, dass jeden Moment ein Zwerg aus dem Dickicht auftauchen würde.

 

Was sollte man bei einem Besuch der Haciende Verde mitnehmen?

Wenn Sie die Hacienda Verde besuchen wollen, was auf jeden Fall zu empfehlen ist, sollten Sie einige Dinge beachten: 

Die Hacienda liegt in der Trockenwaldregion auf ca 2000 müNN, das heißt, wenn die Sonne scheint, kann es sehr warm werden und man kann sich leicht verbrennen. Auf jeden Fall sollte man also Sonnenschutzmittel, eine Kopfbedeckung und ausreichend Wasser mitnehmen. Lange Hosen und festes, bequemes Schuhwerk sind zu empfehlen, weil man öfter durch etwas kratziges Unterholz läuft.

Auf jeden Fall sollte man Insektenschutz dabeihaben und regelmäßig auftragen, denn die Mücken sind ziemlich aggressiv. Ansonsten gibt es aber keine gefährlichen Tiere oder Insekten.

Der Besuch der Hacienda ist ideal für Naturliebhaber, Wanderer, ornithologisch und (ethno)botanisch Interessierte und alle neugierigen Reisenden.

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DIE AUTOREN:

Dorit Hansen

Dorit Hansen

Dorit reist seit 2004 regelmäßig nach Lateinamerika und hat auch schon mehrere Jahre in Ecuador gelebt. Mehr zu Dorit...

Xavier Arias León

Xavier Arias León

Xavier ist Mitbegründer von Solecu Tours und kennt sein Heimatland Ecuador durch seine langjährige Tätigkeit im Tourismus wie seine Westentasche. Mehr zu Xavier...

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